Wie können Sie obdachlosen Menschen Hilfe anbieten?
Obdachlose Menschen erleben oft Ausgrenzung. Dabei sind sie besonders bei extremem Wetter oder in medizinischen Notlagen auf Unterstützung angewiesen. Hier erfahren Sie, wie Sie einfach, wirksam und respektvoll Hilfe anbieten können.
Wie spreche ich eine obdachlose Person an?
Es ist normal, wenn Sie unsicher sind, wie Sie eine obdachlose Person ansprechen. Schließlich möchte niemand übergriffig wirken. Tatsächlich kann ein Gespräch aber viel bedeuten. Auch wenn es ungewohnt ist, zeigen Sie so: Ich sehe dich.
So gelingt die Kontaktaufnahme
- Freundlich und respektvoll: Fragen Sie konkret, z. B. „Brauchen Sie Hilfe?“ oder „Geht es Ihnen gut?“
- Verständnisvoll bleiben: Manche Menschen nehmen Hilfe nicht an. Das ist in Ordnung – akzeptieren Sie ein „Nein“.
- Mehr erfahren: In unserem Tutorial erklären wir, wie Sie Hilfe anbieten, ohne aufdringlich zu sein.
Die Kältehilfe-App
Die Kältehilfe-App zeigt aktuelle Hilfsangebote für obdachlose Menschen in Berlin. Sie ist nicht nur im Winter, sondern ganzjährig kostenlos für Betroffene und Helfende nutzbar.
Was die App bietet
- Interaktive Karte: Eine Übersicht von Hilfsangeboten in der Nähe.
- Shelter Map: Eine S- und U-Bahnkarte mit eingezeichneten Hilfsangeboten zum Download.
Das Angebot ist auch über die Website der Berliner Kältehilfe abrufbar.
Zum Download
Hilfe bei Kälte und Hitze
Wohnungs- und obdachlose Menschen sind bei extremen Temperaturen besonders gefährdet. Im Winter sind Unterkühlung und Erfrierungen möglich. Im Sommer drohen Dehydration, Hitzschlag oder andere schwere Folgen für die Gesundheit.
Sommers wie winters gilt daher: Schnelle, respektvolle Hilfe kann Leben retten.
Im Winter helfen
In Berlin gibt es verschiedene Möglichkeiten, bei extremer Kälte zu helfen.
Kältebus Berlin
Der Kältebus der Berliner Stadtmission bringt Menschen zu einem warmen Schlafplatz. Er fährt vom 1. November bis 31. März, täglich von 20:00 bis 02:00 Uhr. Die Telefonnummer lautet: 030 690 333 690.
Fragen Sie vor dem Anruf immer, ob Hilfe gewünscht ist. Ist die Person in einer medizinischen Notlage und kann nicht mehr selbst entscheiden, rufen Sie den Rettungsdienst (112).
Tagsüber hilft der SUB-Bus von KARUNA. Er bietet ganzjährig Fahrdienste, auch zu Notunterkünften. Die Hilfe-Hotline für obdachlose Menschen ist von Montag bis Freitag 9:00-17:00 Uhr erreichbar. Die Telefonnummer lautet: 0157 866 050 80.
Schlafplätze und Aufenthaltsorte
In Berlin können Menschen ohne Wohnung an vielen Orten kostenlos Schutz vor Kälte finden. Infos gibt es in der Kältehilfe-App.
Weitere Angebote
Alle aktuellen Angebote der Berliner Kältehilfe finden Sie im Hauptstadtportal berlin.de.
Im Sommer helfen
Auch bei Hitze gibt es in Berlin gezielte Hilfe für obdachlose Menschen. Befindet sich eine Person jedoch in einem kritischen Gesundheitszustand, rufen Sie bitte direkt einen Krankenwagen.
Der SUB-Bus von KARUNA ist im Sommer unterwegs. Dort gibt es klimatisierte Plätze und Wasser. Bei Bedarf bringt der SUB-Bus obdachlose Menschen auch in eine Tagesunterkunft, wo sie sich erholen können.
Die Hilfe-Hotline (0157 866 050 80) ist montags bis freitags von 9:00 bis 17:00 Uhr erreichbar.
Weitere Angebote
Die Hitzehilfe Berlin organisiert Wasserbusse, die Trinkwasser verteilen und bei Hitzeproblemen helfen. Außerdem bieten Schutzräume Abkühlung und Duschen.
Alle aktuellen Angebote der Hitzehilfe für Obdachlose finden Sie im Hauptstadtportal.
Hilfe bei medizinischen Notfällen
Ist eine obdachlose Person verletzt, bewusstlos oder auf medizinische Hilfe angewiesen, zählt schnelles Handeln:
- Ansprechen: Fragen Sie freundlich: „Können Sie mich hören? Brauchen Sie Hilfe?“ So stellen Sie den Bedarf sicher.
- Krankenwagen rufen: Wählen Sie die 112, wenn die Person nicht ansprechbar ist oder dringend medizinische Hilfe braucht.
- Nicht allein lassen: Bleiben Sie bei der Person, bis die Rettungskräfte eintreffen. Geben Sie Ihre Beobachtungen weiter.
Ihr Engagement kann viel bewirken – hinsehen, zuhören, Hilfe holen. Jede kleine Handlung zählt.
Kleine Gesten mit großer Wirkung: So helfen Sie im Alltag
Spontane Alltagshilfe
Auch ohne Notfall können Sie obdachlosen Menschen helfen, zum Beispiel mit Essen, Trinken oder etwas Geld. Wichtig ist dabei, die Wünsche der Person zu respektieren. Bittet jemand um Geld, geben Sie nicht ungefragt etwas zu essen. Fragen Sie lieber, ob das in Ordnung ist.
Genauso sollten Sie niemandem wortlos etwas in die Hand drücken. Ein kurzer Blickkontakt und eine freundliche Nachfrage machen den Unterschied.
Die eigene Haltung hinterfragen
Viele geben obdachlosen Menschen ungern Geld, aus Sorge, dass sie es für Alkohol oder Drogen ausgeben. Diese Sorge ist verständlich, greift aber zu kurz.
Sucht ist eine Krankheit. Wer schwer abhängig ist, konsumiert nicht aus Vergnügen, sondern aus Not. Ein plötzlicher Entzug kann im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein.
Gleichzeitig ist Bargeld für obdachlose Menschen oft überlebenswichtig. Alles kostet Geld: der Schlafplatz, Essen und Trinken, die Versorgung von Haustieren oder ein Waschsalon. Wohnungslos zu sein ist teuer.
Dennoch müssen Sie sich nicht dazu verpflichtet fühlen, Bargeld zu geben. Ob und wie Sie helfen möchten, womit Sie sich wohlfühlen, entscheiden Sie selbst.
Spenden für obdachlose Menschen
Sie können auch helfen, indem Sie an Einrichtungen spenden, die obdachlose Menschen unterstützen. Geldspenden sind genauso willkommen wie Kleidung, Schlafsäcke oder Pflegeprodukte.
Wenn Sie spenden möchten, finden Sie passende Angebote ganz einfach online. Am besten informieren Sie sich, was gerade gebraucht wird.
Menschlichkeit zeigen
Für obdachlose Menschen gehört soziale Kälte oft zum Alltag. Ein freundlicher Blick, ein Lächeln oder ein kurzer Gruß kann da viel bewirken. Solche kleinen Gesten zeigen: Du wirst wahrgenommen.
Auch wenn Sie gerade nichts geben können oder möchten – Ihre Aufmerksamkeit zählt.