Tutorial: Menschen in Not ansprechen
Manchmal begegnen wir auf der Straße Menschen, die wirken, als könnten sie Hilfe brauchen – sie scheinen zum Beispiel traurig, verwirrt, verzweifelt oder hilflos. Viele fühlen sich in solchen Momenten unsicher: Soll ich etwas sagen? Wie reagiere ich richtig? Was, wenn ich etwas falsch mache?
Dieses Tutorial zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie fremde Personen in Not einfühlsam ansprechen können. Ziel ist es, sensibel Hilfsangebote zu machen und Vertrauen aufzubauen, ohne die Situation der*des Betroffenen zu verschlimmern. Vergessen Sie nicht, Ihr Einfühlungsvermögen kann einen großen Unterschied machen. Schon kleine Gesten wie ein freundliches Wort oder eine Minute des Zuhörens können einem Menschen in Not helfen, sich weniger allein zu fühlen.
Schritt 1: Beobachten Sie die Situation
Bevor Sie handeln, nehmen Sie sich einen Moment Zeit, genau hinzuschauen und die Lage zu beobachten. Beurteilen Sie, ob die Situation für Sie sicher ist, und stellen Sie sich folgende Fragen:
- Wirkt die betroffene Person verletzt, desorientiert oder in Gefahr?
- Gibt es Hinweise, dass sie sofortige Hilfe braucht, z. B. bei einem Unfall oder Schwächeanfall?
Schritt 2: Gehen Sie ruhig und freundlich auf die Person zu
Ein gelassener und respektvoller erster Kontakt kann helfen, ein Gespräch auf Augenhöhe zu ermöglichen.
- Atmen Sie tief durch. Halten Sie Ihre Stimme und Körpersprache ruhig und entspannt.
- Stellen Sie Blickkontakt her. Das kann Vertrauen schaffen, sollte aber nicht aufdringlich wirken.
- Halten Sie ausreichend Abstand. Nähern Sie sich langsam und lassen Sie der Person Raum.
Schritt 3: Stellen Sie sich vor und bieten Sie Hilfe an
Denken Sie daran, dass Sie der betroffenen Person ein Angebot machen möchten – keinen Druck erzeugen. Beginnen Sie mit einem freundlichen Satz, zeigen Sie Interesse und Verständnis:
- „Hallo, ich habe Sie gesehen und wollte fragen, ob alles in Ordnung ist?“
- „Entschuldigen Sie, brauchen Sie vielleicht Hilfe?“
- „Es sieht aus, als könnten Sie Unterstützung brauchen. Kann ich etwas für Sie tun?“
Hören Sie aktiv zu
Lassen Sie die Person erzählen, ohne sie zu unterbrechen oder zu beurteilen. Signalisieren Sie, dass Sie aktiv zuhören:
- „Das klingt wirklich schwierig.“
- „Ich verstehe, das muss belastend für Sie sein.“
Respektieren Sie die Wünsche der Person
Setzen Sie sich nicht über die Wünsche der Person hinweg. Unternehmen Sie nichts, das diese nicht ausdrücklich möchte. Wenn nötig, bieten Sie konkrete Unterstützung an:
- „Soll ich jemanden für Sie anrufen?“
- „Ich könnte etwas Wasser oder Essen holen.“
Akzeptieren Sie ebenfalls, falls die Person Ihre Hilfe ablehnt. Manche Menschen möchten keine Hilfe und das ist in Ordnung. Respektieren Sie ihre Entscheidung:
- „Okay, ich verstehe, dass Sie gerade allein sein möchten. Falls Sie Ihre Meinung ändern, bin ich hier.“
Handeln Sie ruhig bei akuter Gefahr
Stellen Sie fest, dass die Person nicht klar entscheiden kann oder in Gefahr schwebt, bleiben Sie bei ihr und holen Sie Hilfe – entweder durch den Rettungsdienst (112) oder die Polizei (110). Erklären Sie dabei freundlich, was Sie tun:
- „Ich sehe, dass es Ihnen nicht gut geht. Ich rufe jemanden, der helfen kann.“
Schritt 4: Verabschieden Sie sich respektvoll
Bedanken Sie sich zum Abschied immer für das Gespräch – selbst dann, wenn die Person keine Hilfe wollte. Bieten Sie bei Bedarf auch an, in der Nähe zu bleiben. So beenden Sie Ihren Austausch wertschätzend und auf Augenhöhe:
- „Vielen Dank, dass Sie mit mir gesprochen haben. Passen Sie auf sich auf.“
- „Ich bin gleich hier, falls Sie mich brauchen.“
Weitere Informationen
- Hier erfahren Sie, wie Sie obdachlosen Menschen in Not helfen können.
- Wie Sie reagieren können, wenn Ihnen psychisch auffällige Personen begegnen, wird hier erklärt.
- Was Sie tun können, wenn Sie eine Straftat oder eine Person in einer Gefahrensituation beobachten, finden Sie hier heraus.